Windows 11 KI stolpert

Manchmal schreibt die Technik ihre eigenen Pointen. Microsoft wollte eigentlich zeigen, wie elegant und hilfreich der Copilot in Windows 11 ist. Dafür wurden mehrere Influencer engagiert, die den neuen KI-Assistenten in kurzen Clips demonstrieren sollten. Doch einer dieser Clips entwickelte sich zum peinlichen Eigentor und wurde inzwischen wieder aus dem Netz genommen. Der Grund ist ebenso simpel wie unangenehm: Die KI hat bereits bei einer sehr einfachen Aufgabe versagt.

Ein Werbespot, der die Realität beschönigen sollte

Influencer Judner Aura wollte eigentlich vorführen, wie leicht sich die Textgröße in Windows 11 mit der Stimme anpassen lässt. Die Idee klang überzeugend. Einmal Hey Copilot sagen und die KI beginnt, den Bildschirm zu analysieren und führt die Nutzer mühelos durch die Einstellungen. Doch die Realität ist komplexer. In der Praxis muss Copilot erst manuell geöffnet und anschließend die Vision-Funktion freigeschaltet werden, bevor er überhaupt den Bildschirm erkennen darf. Außerdem muss der Nutzer festlegen, welche App analysiert werden soll. Davon war im Werbespot allerdings nichts zu sehen. Das Video stellte eine Benutzererfahrung dar, die so im echten Windows 11 schlicht nicht existiert.

Copilot zeigt den falschen Weg

Anstatt den Nutzer zur Einstellung zur Textgröße zu führen, landete Copilot im Video in den Anzeigeeinstellungen. Dort lässt sich zwar eine Option zur Vergrößerung finden, allerdings betrifft sie das gesamte Interface und nicht nur den Text. Die wirkliche Schriftgrößenanpassung versteckt sich in einem ganz anderen Bereich, nämlich in den Barrierefreiheitsoptionen. Als wäre das nicht genug, empfahl Copilot außerdem eine Skalierung von 150 Prozent, die auf dem gezeigten Gerät bereits eingestellt war. Eine Szene, die ungewollt verdeutlichte, wie unsicher der Assistent noch arbeitet.

Nachgestellt und bestätigt

Das Magazin Windows Latest hat die Situation später selbst getestet und bekam zu Beginn ebenfalls den falschen Menüpunkt angezeigt. Erst nach einem Moment korrigierte sich Copilot und wies dann auf das richtige Menü für Barrierefreiheit hin. Dieser kleine Selbstkorrekturmoment zeigt zwar, dass die KI lernfähig ist, aber gleichzeitig auch, wie unzuverlässig sie aktuell noch agiert. Es ist verständlich, dass Microsoft ein solches Video nicht als offizielle Werbung stehen lassen möchte.

Ein Assistent, der noch Zeit braucht

Der Vorfall macht deutlich, dass Copilot in Windows 11 noch nicht da ist, wo Microsoft ihn gerne hätte. Statt ein intuitiver Helfer im System zu sein, sorgt er manchmal eher für Verwirrung. Dass der Werbespot schnell wieder offline ging, überrascht deshalb kaum. Die KI soll den Alltag erleichtern, doch bis sie das zuverlässig tut, muss Microsoft wohl noch weiter feilen und prüfen, bevor große Versprechen im Marketing gemacht werden.

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