Der weltweit größte Teilchenbeschleuniger am CERN erzeugt nicht nur spannende Daten über das Universum, sondern liefert jetzt auch Wärme für ein französisches Städtchen. Ferney-Voltaire wird seit Mitte Januar mit Fernwärme aus dem Kühlwasser des LHC versorgt. Bisher kühlte das Wasser die Kryotechnik-Maschinen des LHC und strahlte die aufgenommene Hitze einfach über Kühltürme ab. Jetzt wird diese Energie nicht mehr verschwendet, sondern in das städtische Fernwärmenetz eingespeist. Das Prinzip ist simpel, aber genial: Während das Wasser die Anlagen kühlt, nimmt es Wärme auf. Über Wärmetauscher gelangt diese Energie in die Heizung von Wohnungen und Geschäften in der Nähe.
Leistung für Tausende Haushalte
Die neuen Wärmetauscher sind beeindruckende Kraftpakete. Jeder kann fünf Megawatt Leistung übertragen, zusammen also zehn Megawatt. Damit ließe sich theoretisch die Wärmeversorgung für mehrere Tausend Haushalte sichern. Praktisch wird Ferney-Voltaire zunächst mit weniger auskommen müssen, weil der LHC im Sommer 2026 für Wartung und Modernisierungen abgeschaltet werden soll. Einige Systeme bleiben jedoch aktiv, sodass zwischen einem und fünf Megawatt konstant ins Fernwärmenetz fließen werden.
Nachhaltigkeit am CERN
Das Projekt ist Teil einer größeren Initiative, den Betrieb des LHC energieeffizienter zu gestalten. Die Abwärme von High-Tech-Forschung nutzbar zu machen, klingt fast wie Zukunftsmusik, ist aber mittlerweile Realität. Ferney-Voltaire ist von der LHC-Wärme nicht abhängig und bezieht auch Energie aus Geothermie, doch das Projekt zeigt, wie Forschung und Alltag voneinander profitieren können.
Ein Blick in den Ring
Der LHC selbst liegt in einem ringförmigen Tunnel in der Nähe von Genf. Hier werden Protonen mit annähernder Lichtgeschwindigkeit aufeinander geschossen, und die Experimente ALICE, CMS, ATLAS und LHCb analysieren, welche Teilchen dabei entstehen. Aus diesen Daten gewinnen Physiker neue Einblicke in die grundlegenden Eigenschaften des Universums. Der Nachweis des Higgs-Bosons war einer der größten Erfolge. Nun zeigt sich, dass der LHC nicht nur unser Verständnis von Teilchenphysik erweitert, sondern auch im Kleinen die Wohnungen von Menschen heizen kann.
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