Wenn KI den Pull Request kaputtmacht

KI kann Code schreiben. Das ist längst keine Überraschung mehr. Die eigentliche Überraschung ist eher, wie viel davon auf Github landet und wie wenig davon tatsächlich brauchbar ist. Genau hier zieht Github nun selbst die Reißleine und denkt laut über Maßnahmen nach. Denn was als Produktivitätsgewinn gedacht war, entwickelt sich für viele Maintainer zum echten Problem. Pull Requests, die von KI Agenten erzeugt werden, überschwemmen Projekte, halten Qualitätsstandards nicht ein und verschwinden oft genauso schnell wieder, wie sie eingereicht wurden. Zurück bleibt vor allem eins mehr Arbeit.

Maintainer am Limit

Github Produktmanagerin Camilla Moraes spricht das Problem ungewöhnlich offen an. In einer öffentlichen Diskussion räumt sie ein, dass Maintainer einen erheblichen Teil ihrer Zeit damit verbringen, Beiträge zu prüfen, die schlicht nicht brauchbar sind. Viele davon halten sich nicht an die Projektrichtlinien, sind unvollständig oder schlicht falsch. Ein großer Teil davon ist KI generiert. Was früher ein konstruktiver Austausch zwischen Entwicklern war, fühlt sich für viele Open Source Maintainer inzwischen wie Moderationsarbeit an. Statt Code zu verbessern, wird aussortiert, kommentiert und abgelehnt. Und genau diese Zeit fehlt am Ende dort, wo sie eigentlich gebraucht wird.

Github denkt über einen Kill Switch nach

Als mögliche Sofortmaßnahme bringt Github eine Funktion ins Spiel, die man vor wenigen Jahren noch für undenkbar gehalten hätte. Einen Kill Switch für Pull Requests. Maintainer könnten damit neue Pull Requests komplett deaktivieren. Zusätzlich steht im Raum, Pull Requests nur noch für feste Projektmitarbeiter zu erlauben. Auch das gezielte Löschen eingereichter Pull Requests sowie Hinweise auf möglicherweise KI generierte Inhalte werden intern geprüft. Github betont, dass es sich dabei um Ideen handelt, nicht um beschlossene Funktionen. Doch allein die Diskussion zeigt, wie ernst die Lage inzwischen ist.

Wenn einer von zehn gut ist

Wie groß das Problem tatsächlich ist, zeigen Stimmen aus der Praxis. The Register zitiert unter anderem Xavier Portilla Edo von Voiceflow. Seiner Erfahrung nach erfüllt nur etwa jeder zehnte KI generierte Pull Request die Qualitätsanforderungen. Der Rest verursacht Aufwand ohne Mehrwert. Das ist besonders bitter für Open Source Projekte, die ohnehin stark von freiwilliger Arbeit leben. Jeder unnötige Review kostet Motivation. Und Motivation ist in der Open Source Welt oft die wichtigste Ressource überhaupt.

Fazit

KI hat das Potenzial, Softwareentwicklung massiv zu beschleunigen. Gleichzeitig zeigt sich aber immer deutlicher, dass ungefilterter KI Einsatz mehr schadet als hilft. Githubs Überlegungen zu einem Kill Switch für Pull Requests sind ein deutliches Signal. Qualität schlägt Quantität. Für Entwickler bedeutet das eine klare Botschaft. KI kann unterstützen, aber Verantwortung bleibt menschlich. Wer einfach generierten Code einreicht, ohne ihn zu verstehen oder zu prüfen, schadet am Ende nicht nur dem Projekt, sondern auch dem eigenen Ruf. Die spannende Frage ist nicht, ob Github handelt. Sondern wie viele Plattformen diesem Beispiel folgen werden.

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