Amazon Web Services hat eine Investition angekündigt, die kaum übersehbar ist. Bis zu 50 Milliarden Dollar sollen in neue KI- und Supercomputing-Rechenzentren fließen, die ausschließlich für US-Behörden gedacht sind. Der Startschuss soll 2026 fallen und zeigt klar, wohin die Reise geht.
Eine Cloud, die streng getrennt von der zivilen Welt lebt
Das Besondere an dieser Infrastruktur ist der exklusive Zuschnitt auf Regierungsarbeit. Die neuen Kapazitäten werden über drei streng gesicherte AWS-Regionen verteilt. Top Secret, Secret und GovCloud gehören zu den abgeschottetsten Rechenzentrumsumgebungen der Welt. Die Top-Secret-Bereiche besitzen nicht einmal eine Internetanbindung und sind komplett isoliert. Secret-Regionen arbeiten mit geheim eingestuften Informationen und GovCloud dient sensiblen, aber nicht klassifizierten Behördenaufträgen. Diese strengen Vorgaben zeigen, wie tief AWS im Regierungsapparat verwurzelt ist. Es geht nicht mehr nur darum, Daten sicher zu speichern. Es geht darum, eine technologische Plattform bereitzustellen, auf der die wichtigsten sicherheitsrelevanten Aufgaben eines Landes laufen können.
KI als strategischer Hebel der US-Regierung
Die Milliardeninvestition kommt genau zu dem Zeitpunkt, an dem die US-Regierung ihre KI-Strategie neu justiert. Mit der Genesis Mission hat Präsident Trump erst kürzlich ein Programm gestartet, das Forschungsressourcen aus Regierung, Wirtschaft und Universitäten bündeln soll. Amazon positioniert sich mit seinem Vorstoß als präferierter Infrastrukturanbieter für diese Vision. Bundesbehörden werden künftig Zugang zu Amazons kompletten KI-Stack haben. Von SageMaker für das Training über Bedrock für den produktiven Einsatz bis hin zu den eigenen Nova-Modellen reicht die Palette. Ergänzt wird das durch Modelle von Anthropic und eine Reihe offener Modelle. Für die Rechenleistung kombiniert AWS seine eigenen Trainium-Chips mit Nvidia-Technologie und schafft damit eine Hardwarebasis, die für gigantische Trainingsläufe ausgelegt ist.
Neue Fähigkeiten für Militär, Forschung und Sicherheit
Die erweiterten Kapazitäten sollen einen Sprung ermöglichen, der bisher unmöglich schien. Datenmengen, die früher wochenlange Analysen brauchten, sollen sich nun in Stunden oder gar Minuten auswerten lassen. Militärische Einrichtungen könnten Satellitenbilder, Sensordaten und historische Bedrohungsmuster automatisiert verarbeiten, um Risiken frühzeitig zu erkennen. Forschungsteams sollen jahrelange Sicherheitsdaten nahezu in Echtzeit analysieren können. Durch die neuen Systeme lassen sich Informationen aus unterschiedlichsten Quellen miteinander kombinieren. Lieferketten, kritische Infrastruktur, Umweltüberwachung oder Cyber-Bedrohungen sollen zu einem Gesamtbild verschmelzen, das Behörden bisher nur mit enormem Aufwand erstellen konnten. AWS-Chef Matt Garman spricht davon, dass diese Investition die Art und Weise, wie Behörden Supercomputing nutzen, grundlegend verändern werde.
Eine Marktposition, die über Jahrzehnte gewachsen ist
Amazon profitiert dabei von einer ungewöhnlich tiefen Beziehung zur US-Regierung. Seit über zehn Jahren dominiert AWS den Government-Cloud-Sektor. Die erste GovCloud entstand 2011, schon damals mit speziellen Sicherheitsanforderungen. Drei Jahre später folgte die erste Top-Secret-Region. 2017 kam die Secret-Region hinzu und Amazon war damit der erste Anbieter, der alle Sicherheitsklassifizierungen vollständig abdecken konnte. Mehr als 11.000 US-Behörden nutzen heute AWS-Dienste. Doch trotz dieser Dominanz schrumpft der Vorsprung im globalen Cloudmarkt. AWS hält noch rund 29 Prozent, während Microsoft und Google immer schneller aufholen. Die geplante Mega-Investition könnte genau die Art von Schritt sein, mit der Amazon seine Führungsrolle im Regierungssegment dauerhaft absichern will.
Gigawatt-Dimensionen, die neue Maßstäbe setzen
Die geplante Rechenleistung verdeutlicht, wie ernst es Amazon meint. Mit 1,3 Gigawatt schafft AWS eine Infrastruktur, die selbst im internationalen Vergleich fast beispiellos ist. Zum Verständnis: Ein großes, modernes Rechenzentrum hat in der Regel zwischen 50 und 100 Megawatt. Amazon plant also Kapazitäten, die dem Gegenwert von dreizehn bis sechsundzwanzig solcher Anlagen entsprechen. Damit baut das Unternehmen nicht einfach ein paar neue Hallen mit Servern. Es errichtet ein technisches Fundament, auf dem große Teile der amerikanischen Sicherheitsarchitektur der Zukunft laufen könnten.
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