Bei SSDs denkt man meistens an Geschwindigkeit, vielleicht noch an Speichergröße. Was im Inneren passiert, interessiert dagegen die wenigsten. Genau dort setzt Samsung jetzt an und kündigt mit der BM9K1 eine neue Generation an, die auf den ersten Blick unspektakulär wirkt, unter der Haube aber einen echten Strategiewechsel markiert. Denn erstmals verabschiedet sich Samsung bei seinen SSD-Controllern von der bekannten ARM-Architektur und setzt stattdessen auf RISC-V.
Abschied von ARM
Bisher liefen Samsungs SSD-Controller mit klassischen ARM-Kernen, etwa aus der Cortex-Reihe. Diese Designs sind bewährt, leistungsfähig und weit verbreitet. Warum also der Wechsel? Die Antwort liegt in der Kontrolle. RISC-V ist ein offener Befehlssatz. Das bedeutet, Hersteller können ihn frei anpassen und genau auf ihre eigenen Anforderungen zuschneiden. Samsung erhält damit deutlich mehr Einfluss auf das Design des Controllers und ist nicht mehr an feste Vorgaben gebunden. Ganz neu ist dieser Schritt in der Branche allerdings nicht. Auch Western Digital hat diesen Weg bereits vor einigen Jahren eingeschlagen und damit gezeigt, dass RISC-V im Storage-Bereich durchaus funktioniert.
Effizienz wird zum entscheidenden Faktor
Mit der neuen Architektur verfolgt Samsung ein klares Ziel: Die Effizienz soll steigen. In Kombination mit optimierter Firmware verspricht der Hersteller rund 23 Prozent bessere Energieeffizienz im Vergleich zum Vorgänger. Das ist besonders wichtig, weil moderne SSDs immer schneller werden. Die BM9K1 nutzt PCIe 5.0 und bewegt sich damit in einem Bereich, in dem Leistung schnell zu Hitze wird. Frühere PCIe-5.0-SSDs konnten unter Last bis zu 12 Watt aufnehmen und brauchten teilweise sogar aktive Kühlung. Gerade in Notebooks ist das ein Problem. Weniger Energieverbrauch bedeutet hier nicht nur weniger Wärme, sondern auch spürbar längere Akkulaufzeiten.
Schnell, aber nicht kompromisslos
Mit bis zu 11,4 Gigabyte pro Sekunde beim Lesen gehört die BM9K1 klar zum oberen Leistungssegment, ohne jedoch die absolute Spitze zu markieren. Bei der Schreibgeschwindigkeit hält sich Samsung noch bedeckt, was ein Hinweis darauf ist, dass hier Kompromisse gemacht werden. Die SSD setzt auf QLC-Speicher. Dabei werden vier Bit pro Zelle gespeichert, was die Speicherdichte erhöht, aber oft zulasten der konstanten Schreibgeschwindigkeit geht. Besonders außerhalb des schnellen Cache-Bereichs kann die Leistung spürbar abfallen. Das zeigt, dass Samsung hier keinen absoluten High-End-Champion bauen will, sondern eine ausgewogene Lösung für viele Alltagsanwendungen.
Noch Geduld gefragt
Wer jetzt direkt zugreifen möchte, muss sich allerdings noch gedulden. Die BM9K1 ist zunächst für Komplettsysteme gedacht und soll erst ab 2027 verfügbar sein. Erfahrungsgemäß tauchen solche Modelle später vereinzelt auch im Einzelhandel auf, oft unter leicht angepassten Namen. Zum Preis gibt es noch keine konkreten Angaben. Das ist wenig überraschend, da sich dieser stark nach der Entwicklung der Speicherpreise richten wird.
Fazit
Mit der BM9K1 macht Samsung einen Schritt, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, langfristig aber große Bedeutung haben könnte. Der Wechsel zu RISC-V zeigt, dass Hersteller immer mehr Kontrolle über ihre Hardware gewinnen wollen. Für Nutzer bedeutet das im besten Fall effizientere SSDs, weniger Hitze und bessere Akkulaufzeiten. Und vielleicht ist genau das am Ende wichtiger als noch ein paar zusätzliche Gigabyte pro Sekunde auf dem Datenblatt.
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