Pixel 10: Mehr Gehirn als Gehäuse

Die zehnte Generation der Pixel-Smartphones hätte man eigentlich mit einem Paukenschlag erwarten dürfen. Ein frisches Design, eine große Geste, so wie Apple es einst mit dem iPhone X zelebriert hat. Doch Google geht einen anderen Weg. Äußerlich bleibt fast alles beim Alten, und die wenigen sichtbaren Neuerungen sind eher Detailarbeit. Der eigentliche Knaller steckt im Inneren.

Hardware

Natürlich hat Google seinem Flaggschiff wieder einen neuen Chip spendiert. Der Tensor G5 ist exklusiv für die Pixel-Reihe gedacht, soll schneller und effizienter sein – beweisen lässt sich das aber nicht so einfach, denn Benchmark-Apps wie Geekbench blockiert Google gleich komplett. Wer ein Pixel 10, 10 Pro oder 10 Pro XL in der Hand hält, merkt ohnehin schnell, dass der große Unterschied nicht im Prozessor steckt, sondern in den Möglichkeiten, die die Software und damit die KI eröffnet.

Eine kleine, aber clevere Neuerung zeigt sich beim Laden. Mit Pixelsnap, einer Variante von Apples MagSafe, lassen sich die Geräte magnetisch an Ladepucks heften und kabellos mit bis zu 25 Watt aufladen. Praktisch ist das allemal, wenn auch kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Gleichzeitig hat Google das sogenannte Reverse Charging gestrichen. Wer bisher seine Kopfhörer oder ein zweites Handy mit dem eigenen Pixel-Akku speisen konnte, geht nun leer aus.

Kamera trifft Coaching

Mit dem sogenannten Camera Coach hat Google eine Art stillen Assistenten in die Kamera-App integriert. Er analysiert das Motiv im Sucher, macht Vorschläge für Bildkompositionen und gibt Tipps, wie man das Smartphone halten sollte. Ein nettes Feature, das vor allem für Einsteiger lehrreich sein kann. Für spontane Schnappschüsse ist es aber viel zu träge.

Spannender wird es beim Pro-Resolution-Zoom. Wer schon einmal mit den 100-fach-Zooms anderer Smartphones experimentiert hat, kennt den matschigen Pixelbrei, der dabei entsteht. Google versucht es nun besser zu machen, und es gelingt überraschend oft. Aufnahmen, die mit bloßem Auge kaum Details zeigen, verwandeln sich in erstaunlich scharfe Bilder. Blätter, Blüten und Strukturen tauchen plötzlich klar auf. Allerdings hat die Technik ihre Grenzen. Vor allem bei Texten halluziniert die KI manchmal wild herum und erfindet Buchstaben, die gar nicht existieren.

Reden in fremden Stimmen

Noch faszinierender ist die Telefonübersetzung. Google hat es geschafft, Gespräche zwischen Menschen in unterschiedlichen Sprachen so zu vermitteln, dass es fast wie ein echtes Dolmetschergespräch wirkt. Zwar hinkt die Übersetzung ein paar Sekunden hinterher, und Umgangssprache bringt das System gerne ins Straucheln. Doch die eigentliche Sensation ist, dass Google die Übersetzungen in der Stimme der jeweiligen Person wiedergibt. Ein Gesprächspartner spricht also plötzlich fließend Deutsch oder Englisch und klingt dabei trotzdem wie er selbst.

Fazit

Die neuen Pixel-Smartphones sind keine Revolution der Hardware. Das Design bleibt vertraut, die Kameras sind solide, aber nicht herausragend, und selbst bei den Akkus gibt es keine Wunder. Doch die Stärke der Geräte liegt woanders. Sie zeigen, wie sich Smartphones gerade verändern. Sie werden weniger zu Plattformen für Apps und immer mehr zu Vehikeln für künstliche Intelligenz.

Googles Pixel-10-Serie ist ein Ausblick darauf, wie sich Alltagsgeräte entwickeln. Sie sprechen mit unserer Stimme in fremden Sprachen, sie machen sichtbar, was wir nicht sehen können, und sie helfen uns, Fotos besser zu komponieren. Nicht alles funktioniert perfekt, manches bleibt Spielerei, doch die Richtung ist klar.

 

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