Lange Zeit war Arm Ltd. so etwas wie der unsichtbare Riese der IT Welt. Die Firma entwickelte die Architektur, auf der unzählige Chips basieren, hielt sich selbst aber aus dem direkten Hardwaregeschäft heraus. Genau das ändert sich jetzt grundlegend. Mit der neuen AGI CPU verkauft das Unternehmen erstmals einen eigenen, vollständigen Prozessor. Damit tritt Arm plötzlich in direkte Konkurrenz zu AMD und Intel. Ein Schritt, der sich schon seit Jahren angedeutet hat und die Kräfteverhältnisse im Servermarkt spürbar verschieben könnte.
Vom Bauplan zum fertigen Produkt
Bisher lag das Geschäftsmodell darin, Designs zu lizenzieren. Unternehmen konnten diese nutzen, anpassen und eigene Chips daraus bauen. Einnahmen kamen vor allem über Lizenzgebühren und kleine Beträge pro verkauftem Chip. Mit der AGI CPU geht Arm jetzt einen ganz anderen Weg. Statt nur die Blaupause zu liefern, entsteht ein fertiger Prozessor, der direkt an Rechenzentrumsbetreiber verkauft wird. Für das Unternehmen ist das ein deutlich stärkerer Hebel, um Umsatz zu generieren und mehr Kontrolle über das Endprodukt zu bekommen.
136 Kerne für die KI Ära
Technisch zeigt sich schnell, wohin die Reise geht. Die AGI CPU setzt auf bis zu 136 Kerne auf Basis der Neoverse V3 Architektur. Diese verteilen sich auf zwei Chiplets und werden in moderner Drei Nanometer Technik von TSMC gefertigt. Der Fokus liegt klar auf Rechenzentren und KI Workloads. Der Name AGI spielt zwar auf eine allgemeine künstliche Intelligenz an, hat damit aber wenig zu tun. Stattdessen geht es um die Verwaltung und Steuerung vieler KI Prozesse gleichzeitig. Mit zwölf Speicherkanälen, PCI Express 6.0 und Unterstützung für CXL ist der Prozessor klar für große, skalierbare Systeme gedacht. Zwei CPUs lassen sich zudem direkt miteinander koppeln, was die Leistung weiter erhöht.
Konkurrenz bekommt neue Dynamik
Große Cloud-Anbieter wie Amazon, Google oder Microsoft haben genau das getan, um ihre Infrastruktur zu optimieren. Mit einem fertigen Produkt des Chip-Herstellers könnten sie sich diesen Aufwand künftig sparen, zumindest theoretisch. Gleichzeitig setzt das Unternehmen damit andere Firmen unter Druck, die ebenfalls auf dessen Designs setzen, etwa Qualcomm. Auch für klassische x86-Anbieter wird es enger. AMD und Intel dominieren den Servermarkt seit Jahren, bekommen nun aber zusätzliche Konkurrenz von einem Anbieter, der die Architektur selbst kontrolliert.
Meta als Entwicklungspartner
Ein wichtiger Partner bei der Entwicklung ist Meta Platforms. Das Unternehmen war maßgeblich am Design der AGI CPU beteiligt und setzt künftig stark auf diesen Prozessor. Das ist besonders interessant, weil andere Hyperscaler bisher eigene Chips entwickelt haben. Meta geht hier einen anderen Weg und arbeitet direkt mit ARM zusammen. Diese enge Kooperation soll auch bei zukünftigen Generationen bestehen bleiben.
Server gleich mitgeliefert
Arm denkt das Konzept weiter und liefert nicht nur Prozessoren, sondern gleich komplette Referenzsysteme. Erste Serverlösungen kommen unter anderem von Herstellern wie Supermicro oder Lenovo. Die Systeme reichen von klassischen luftgekühlten Racks bis hin zu wassergekühlten Hochleistungsservern. Erste Modelle sind bereits in kleiner Stückzahl verfügbar, eine breitere Verfügbarkeit wird im Laufe des Jahres erwartet.
Fazit
Mit der AGI CPU verlässt Arm endgültig seine Komfortzone. Aus dem reinen Architektur Lieferanten wird ein direkter Hardwareanbieter. Das verändert nicht nur das eigene Geschäftsmodell, sondern auch den Wettbewerb im Servermarkt.
© stock.adobe.com, Ascannio