Arduino geht den nächsten Schritt Richtung Robotik

Arduino ist für viele Entwickler der erste Kontakt mit Hardwareprojekten. Kleine Boards, einfache Programme und schnelle Ergebnisse haben die Plattform berühmt gemacht. Doch die Anforderungen wachsen. Robotik, KI und Bildverarbeitung verlangen deutlich mehr Leistung als klassische Mikrocontroller bieten können. Genau hier setzt Arduino nun an und präsentiert mit dem Ventuno Q einen neuen Single Board Computer, der deutlich über die bisherigen Arduino Konzepte hinausgeht. Vorgestellt wurde das Board auf der Embedded World 2026 in Nürnberg. Und schon beim ersten Blick wird klar, dass es sich hier nicht mehr um ein typisches Bastlerboard handelt, sondern um eine Plattform für komplexe Projekte.

Mehr als ein klassisches Arduino Board

Der Ventuno Q orientiert sich konzeptionell am Uno Q, geht aber in allen Bereichen deutlich weiter. Im Kern kombiniert das Board zwei Welten. Ein leistungsstarkes System on Chip übernimmt rechenintensive Aufgaben wie KI oder Bildverarbeitung. Ein separater Mikrocontroller kümmert sich gleichzeitig um zeitkritische Steuerungsaufgaben. Diese Aufteilung ist besonders für Robotik interessant. Während das Hauptsystem beispielsweise Kameradaten analysiert oder KI Modelle ausführt, kann der Mikrocontroller Motoren, Sensoren oder andere Hardware in Echtzeit steuern.

Ein modulares Design für komplexe Projekte

Beim Format geht Arduino neue Wege. Der Ventuno Q ist deutlich größer als klassische Arduino Boards und setzt auf ein modulares Konzept. Das Herzstück bildet ein Qualcomm SoC, das zusammen mit 16 Gigabyte LPDDR5 Arbeitsspeicher und 64 Gigabyte eMMC Speicher als eigenes System on Module auf dem Mainboard sitzt. Das Board unterstützt weiterhin klassische Arduino Shields, öffnet sich aber gleichzeitig für Zubehör aus der Raspberry Pi Welt. Auch Raspberry Pi Hats lassen sich nutzen, was die Erweiterungsmöglichkeiten deutlich vergrößert. Eine bekannte Funktion bleibt ebenfalls erhalten. Die LED Matrix aus dem Uno Q ist weiterhin integriert und kann für Statusanzeigen oder einfache Visualisierungen genutzt werden.

Schnelle Schnittstellen und viel Konnektivität

Auch bei der Anschlussvielfalt zeigt sich, dass Arduino den Ventuno Q für deutlich anspruchsvollere Anwendungen entwickelt hat. Neben USB Anschlüssen und HDMI besitzt das Board einen Steckplatz für NVMe SSDs, wodurch sich zusätzlicher schneller Speicher integrieren lässt. Das integrierte Wi Fi Modul unterstützt Wi Fi 6 und funkt sogar im 6 Gigahertz Bereich. Zusätzlich ist Bluetooth 5.3 an Bord. Für kabelgebundene Netzwerke steht ein 2,5 Gigabit Ethernet Anschluss zur Verfügung. Damit eignet sich das Board problemlos für datenintensive Anwendungen. Auf der Rückseite befinden sich außerdem High Speed Steckverbinder, über die mehr als hundert zusätzliche Kontakte herausgeführt werden können. Damit lassen sich komplexe Erweiterungen oder eigene Hardwarelösungen realisieren.

Ein kräftiger Leistungssprung

Das Herzstück des Ventuno Q ist ein Qualcomm Dragonwing IQ 8275 Prozessor. Dieser Chip besitzt acht Kryo Gen6 Kerne, die in drei Leistungsstufen organisiert sind. Die schnellsten Kerne erreichen über zwei Gigahertz Taktfrequenz und übernehmen besonders rechenintensive Aufgaben. Für KI Anwendungen integriert der Prozessor eine spezielle Hexagon NPU mit rund 40 TOPS Rechenleistung. Laut Qualcomm reicht das aus, um größere KI Modelle lokal auszuführen. Selbst Modelle wie Llama2 mit 13 Milliarden Parametern können damit auf dem Gerät betrieben werden. Neben der KI Einheit besitzt der Chip auch eine Adreno GPU sowie zusätzliche Signalprozessoren für Bild und Kameradaten. Über MIPI CSI lassen sich mehrere Kameras anschließen, was den Ventuno Q besonders für autonome Systeme oder Computer Vision Projekte interessant macht.

Echtzeitsteuerung mit eigenem Mikrocontroller

Zusätzlich zum Hauptprozessor verbaut Arduino einen separaten Mikrocontroller von ST Microelectronics. Der STM32H5F5 basiert auf einem ARM Cortex M33 Kern und arbeitet mit bis zu 250 Megahertz. Dieser Mikrocontroller übernimmt klassische Steuerungsaufgaben und sorgt dafür, dass zeitkritische Prozesse unabhängig vom Hauptsystem laufen können. Für industrielle Anwendungen steht sogar ein CAN FD Bus zur Verfügung, der über ein Schraubterminal direkt erreichbar ist.

Robotik im Fokus

Auch softwareseitig setzt Arduino auf Robotik. Das bekannte Entwicklungswerkzeug App Lab ist bereits vorinstalliert und wurde um neue Robotik Bausteine erweitert. Diese sogenannten Bricks sollen Entwicklern helfen, komplexe Anwendungen schneller aufzubauen. Zusätzlich unterstützt das Board ROS 2, das Robotics Operating System. Damit lässt sich der Ventuno Q direkt in professionelle Robotik Umgebungen integrieren.

Fazit

Mit dem Ventuno Q entfernt sich Arduino ein Stück weit von seinen einfachen Bastlerwurzeln und positioniert sich stärker im Bereich moderner Robotik und KI Entwicklung. Das Board kombiniert leistungsstarke Rechenhardware mit klassischer Echtzeitsteuerung und bietet gleichzeitig die offene Erweiterbarkeit, für die Arduino bekannt ist. Preis und genaue Verfügbarkeit hat das Unternehmen noch nicht genannt. Klar ist jedoch schon jetzt, dass der Ventuno Q eines der leistungsstärksten Arduino Systeme sein dürfte, die bisher entwickelt wurden.

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